Monthly Archives: October 2011

2011-11-25: Neues Konzept des Politsalons

(Fast) Jeden letzten Freitag im Monat findet im Vetomat der “Politsalon” (PS) statt.

Der nächste Politsalon ist am: 25.11.2011 ab 21Uhr.

Der PS ist eine Plattform die ein Angebot zum Gespräch über politische Themen macht und den diskursiven Austausch, den Erkenntnisgewinn und die emanzipativen Möglichkeiten der Selbstorganisation fördern möchte.

Meistens gibt es zu Anfang einen kleinen Input, d.h. ein Kurzreferat, einen Vortrag, die Vorlesung eines Buch- oder Textauszuges, ein Video, o.ä., um den Einstieg in das Gespräch, d.h. die Debatte zu erleichtern.
Die Präsentation ist dabei diskursanalytisch, sachlich, orientiert.
Der weitere Verlauf wird versucht nach erkenntnistheoretischen Prinzipien, nicht strikt, aber stringent, und ggf. moderiert, erschlossen zu werden. Dabei sind uns die Methoden des Dialogs, der Gewaltfreien Kommunikation, des basisdemokratischen Plenums und der quotierten Redeleitung (notfalls mit Redeliste) naheliegend.
In der Besprechung von Textauszügen sehen wir die Methoden des Kritischen Lesens und der Textinterpretation als elementare Vorraussetzung, die wir gerne vermitteln.
Mensch kann den Politsalon insofern als Experiment, bei dem nicht jeder Schritt gelingen muß, es aber erstrebenswert ist, wenn konstruktiv versucht wird an ihm teilzunehmen, begreifen.
Leider war der Rahmen aufgrund der Konsumorientierung, Gewohnheiten und Verwöhntheiten, des sich mehr als passives “Publikum”, denn als aktive MitgestalterInnen des Verlaufs begreifenden Anwesenden/Teilnehmenden nicht immer der passende für die Weiterentwicklung dieser Idee.
Deswegen wird jetzt eine Konzeptänderung besprochen.

Der vordere Bereich des Vetomaten soll in Zukunft als offene Chilloutlounge geöffnet sein, zu elektronischer Musik aus dem Ambientbereich.

Der Politsalon wird dann im engeren Kreis, im Hinterzimmer, mit dem Charakter eines basisdemokratischen Plenums (nur der Form halber), stattfinden.

Alle Diskursorientierten, Interessierten sind damit herzlich eingeladen am nächsten Politsalon am 25.11.2011, im Vetomat, ab 21Uhr, teilzunehmen.

Vorr. Thema ist das “BGE vom BSP”? (Mit We.Ge., wg.blogsport.de, (dialektischen, sozialhilfekritischen und Organisations-) Kritiken am sog. BGE, seinen Hauptströmungen und einer Diskussionseröffnung von B.B..)
Das Thema kann sich noch ändern!

Achtet auf Ankündigungen.
politsalon.vetomat.net

Danke -

für die schöne kleine Twenty-Years-Survival-Soli-Fete-Avant-Helloween …, am Samstag. Für Cori.


“Nadja Benaissa singt Rio Reiser
Bei der Reminders Day Aids-Gala 2011 in Berlin wurde die Ex No Angels-Sängerin mit dem Solidaritätspreis geehrt. Überreicht wurde er von Cori Obst vom Veranstalterkreis des Kongress HIV im Dialog. Nadja Benaissa setzte sich anschließend ans Klavier und sang “Zauberland” und “Halt Dich an Deiner Liebe fest” von Rio Reiser und Ton Steine Scherben.

http://medienprojekt-berlin.de/Projekte.html


“Fünfter Teil der Langzeit-Dokumentation “Leben mit Aids” über die HIV-positive Cori. Geburt, Kombitherapie, Trauer, Leben in Berlin. 20 Min, ©1998 Medienprojekt Wuppertal
Weitere Teile der Reihe gibts hier:
Cori – Leben mit Aids (1991): http://www.vimeo.com/11706886
Ich will ins Herz (1992): http://www.vimeo.com/11707244″

http://www.medienprojekt-wuppertal.de/home.php?flash=yes

http://weltfilme.de/

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Nächste Termine des Politsalons bald hier und in Vetomat.net – Vetogramm / Calendar http://wp.vetomat.net/?page_id=941

Politsalon heute Abend

Veto öffnet gg 19Uhr
Politsalon beginnt gg 21Uhr
Chilloutlounge startet später.

Politsalon zu den neuesten Äußerungsformen des Protests im Zuge der sog. Finanzkrise, “Bankenkrise”, “[...]-Schuldenkrise”.

http://i.imgur.com/Ph7my.jpg

Thesen / Gesprächsvorbereitung:
- Was sind Sinn und Zweck des/welchen Protests?
- Wer spricht warum, wovon?
- Wer ist dabei, Sozialisationshintergründe, gesellschaftliche Gruppen?
- Mit welchen Demokratiebegriffen hantieren “Die Empörten” (D.E.)?
- Die Demos, Camps, Möchtegern-Okkupationen, usw., sind von bürgerlichem Verhalten geprägt (Habitus nach Bourdieu)
- Über die Nutzung moderner Kommunikationsmittel (Kommunikationskultur/Kulturindustrie/Medien) beschleunigen und häufen sich die Protestereignisse, gleichzeitig nimmt die Diffusität, das “Rauschen im digitalen Blätterwald”, z.B. in Twitter, stetig zu.
- (Antisemitische, u.a.) Politsekten, wie “Büso”, “Tea-Party”, “Zeitgeist”, Scientology, Esos, Gesellianer_Innen und Anthros, haben es leicht dazwischen Aufmerksamkeit zu erringen und sind häufiger zwischen den anderen Irregeleiteten auf der Straße präsent. Siehe z.B. “Fuck-For-Forests” (FFF) vor dem Bundestag.
- Es herrscht größtenteils, augenscheinlich, die reaktionäre/regressive Reproduktion der gesellschaftlichen Verhältnisse durch Konkurrenzverhalten vor. Das spiegeln auch die Bildausschnitte in den öffentlichen und privaten Medien wieder.
- “Denen da oben” soll bloß die “Meinungsmache” abgenommen und durch “was”(?!?) von wem, wie, ersetzt aber eigentlich doch die Hegemonie/Herrschaft/Hierachie nicht abgeschafft werden, oder? (“Reclaim the media” lautet ein bekannter Wahlspruch z.B. von Indymedia.)
- Masse statt Klasse, d.h. aktions- und konsumorientiertes Handeln ohne Klassenbewusstsein. Das nannte die SI z.B. in den 1960ern bereits einen Teil des “Spektakels” und Guy Debord kritisierte die “Gesellschaft des Spektakels” (1967).
- Historisch gesehen bestehen diese Probleme insbesondere seit der Übernahme von “Protestbewegungen” durch die technokratischen “grünen” Postachtziger (nach dem Rollback) und die reformistische sog. “Antiglobalisierungsbewegung” (wie Attac) seit den 1990ern. (Vgl. z.B. Auswertungspapiere zu den Anti-G8-Gipfeln, usw.)
- Wie kann dem entgegengewirkt und sich stattdessen vernünftig organisiert werden?
- Was kann von anderen (echten) sozialen Kämpfen, z.B. von Erwerbsloseninitiativen gegen die Lohnarbeit, gelernt werden?
- Welche Untiefen zeigen sich ganz offensichtlich, wenn verkürzte Kritik den Ton und Reformismen den Takt vorgeben? (Siehe Input/”Diashow”)
- Dagegen wären weitergehende Theorien wie die von Detlef Hartmann vom “Kapitalistischen Kommando“, oder Robert Kurz “Abgesang auf die Marktwirtschaft“, oder Michael Heinrichs Auffassungen von der Kritik der politischen Ökonomie (nach Marx), ganz neu zu diskutieren.
- Das ist mit “der (Massen)Bewegung” aber leider bisher kaum (je) möglich (gewesen). Ganz das (unerwünschte?) Gegenteil war eher der Fall, denn (latenter) Antisemitismus ist keine Seltenheit.
Vgl.: http://i.imgur.com/Wk0LH.jpg
- Was also jetzt?


Weitergehende URLs ->

http://www.no-racism.de/va-so-radikal-sein-wie-die-wirklichkeit/

https://linksunten.indymedia.org/node/46090

http://www.klassenlos.tk/aktuelles.php

http://al.uni-koeln.de/termine/Seminare_KdPO_9u10.pdf

http://www.labournet.de/diskussion/arbeit/aktionen/persp_dh.html

2011-10-28: Politsalon im Vetomat – anschließend ChilloutLounge with ‘Soul’…

28.10.2011
Ab 20:30 Uhr im Vetomat

Politsalon – anschließend ChilloutLounge with ‘Soul’…
Der Politsalon ist eine Gesprächsplattform die eine Möglichkeit zum Austausch über politische Themen bieten möchte. Thema diesmal: Protestformen, o.ä..

Wer ist momentan näher am Problem, Kapitalismus, dran?
Die sog. Empörten oder die ums Arbeitsrecht und die Sozialhilfe kämpfenden Linken an der Basis im “Kiez” rund um Spätis, Supermärkte und Co. und wie gehen sie da ran?
Gibt es Gefahren in den Zweckbündnis-Allianzen der (Bewegungs)”Linken” und heiligt der Zweck die Mittel?

https://politsalon.vetomat.net

Ab 22Uhr: ChilloutLounge – Tresen
S.th. for real music -
Swing, Yazz, Soul, Ska, (Anti-)Pop, -Folk, Etcetera.

https://wp.vetomat.net/?page_id=941

http://politsalon.vetomat.net/?p=355

https://politsalon.vetomat.net/?p=355

https://wp.vetomat.net

Empfehlungen; Wissenschaft und Kritik; Buchvorstellung; Marx Herbstschule; Überschneidungen; VA zum sog. “Turnvater Jahn” am Freitag

Wissenschaft und Kritik
Dieses Jahr veranstalten die Fachschaftsinitiativen der FU Berlin wieder eine Vorlesungsreihe zu Wissenschaft und Kritik. Die erste Veranstaltung “Workshop: Experiment und Diskussion zum Spannungsfeld zwischen Pädagogik und Freiheit” findet am 25.10 um 18 Uhr in der Silberlaube in L113 statt. Das weitere Programm findet ihr unter www.wissenschaft-und-kritik.de.vu

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Der Marxismus – Wissenschaft, Bewegung, Weltanschauung?
Eine Buchvorstellung & Diskussion mit Michael Heinrich und Ralf Hoffrogge am 02. November ab 18 Uhr in Raum L113 (Seminarzentrum in der Silberlaube). Veranstalten von der Hochschulpolitischen Linken und dem AStA FU. Mehr Infos unter http://www.hopoli.blogsport.eu
http://hopoli.blogsport.eu/files/2011/10/ankuendigung.png

Zu Michael Heinrich – http://www.oekonomiekritik.de/
Zu Ralf Hoffrogge – http://www.schmetterling-verlag.de/page-17_autor-142.htm

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IV. Marx-Herbstschule – der Fetischismus

In den drei bisherigen Marx-Herbstschulen wurden die drei Bände des Kapital gelesen und jetzt wollen sie sich im Herbst 2011 einem Thema widmen, das alle drei Bände durchzieht. Es ist eines der interessantesten und zugleich rätselhaftesten und wird bis heute kontrovers diskutiert: der Fetischismus.

Dazu wurden Passagen aus allen drei Bänden ausgewählt. Es wird also nicht nur um den berühmten Fetischcharakter der Ware gehen, sondern auch um den Geld- und Kapitalfetisch bis hin zum zinstragenden Kapital (G-G´) als der „äußerlichste[n] und fetischartigste[n] Form“ (Kapital Bd. III) des Kapitalverhältnisses. Des Weiteren wird es darum gehen, die Unterschiede zu klären zwischen dem Fetischismus einerseits und Begriffen wie Verdinglichung, Entfremdung, Verkehrung, Objektivierung, Ideologie, Mystifizierung, notwendig falsches Bewusstsein, etc..

Anmelden könnt ihr euch bei herbstschule[äd]top-berlin[dod]net.

Programm und mehr unter http://www.marxherbstschule.net

29.10., 20 Uhr: Podiumsdiskussion
Die Kritik des Fetischismus
mit Hendrik Wallat, Kornelia Hafner und Diethard Behrens.
Flutgraben e.V., Am Flutgraben 3 (auf dem Arena-Gelände an der Schlesischen Straße zwischen U Schlesisches Tor und S Treptower Park)

Und wer dann noch kann: 29.10.11 Party im ://about blank (Ostkreuz)

marx herbstschule plakat

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Eigentlich sollte Mensch ja keine Tipps zu anderen VAs geben die ausgerechnet am selben Abend wie die Eigene stattfinden. Hier wirds aber trotzdem gemacht, weils so gut ist:

“Ein deutsches Ur-Muhen”. Knut Germar über Friedrich Ludwig Jahn.*
*Freitag, 28. Oktober um 19:00 Uhr in** der Galerie der Amadeu Antonio Stiftung (Linienstraße 139)
Friedrich Ludwig Jahn zählt zu jenen als Nationalhelden verehrten Personen, deren guter Ruf vom nationalsozialistischen Deutschland in die alte
Bundesrepublik und vor allem in die DDR hinübergerettet wurde. Besonders im Osten, aber auch in anderen Teilen der Republik wird ihm auch heute noch große Verehrung entgegengebracht. Jahn sei nicht nur der „Schöpfer der
nationalen Turnbewegung, die […] zur Herausbildung des Geräteturnens als Weltsportart führte“ und damit ein Vordenker „einer modernen bürgerlichen Körpererziehung“, wie die „Friedrich-Ludwig-Jahn-Gesellschaft“ stellvertretend für die Bewunderer des sogenannten „Turnvaters“ schreibt.
Seine Wahl zum Abgeordneten des Frankfurter Paulskirchenparlaments im Jahr 1848, so werden seine Fans nicht müde zu betonen, zeichne ihn zudem als
aufrechten Demokraten aus. Warum Jahn jedoch entgegen der landläufigen Meinung weder ein harmloser Sportler noch Demokrat war, und warum die Völkischen ihn zu Recht als ihresgleichen feierten, wird der Vortrag erläutern.

Die Veranstaltung findet im Rahmen der Kampagne ‘Sport ohne Turnväter’ statt. Knut Germar lebt in Halle. Er ist Autor und Redakteur der Zeitschrift „Bonjour Tristesse“. Die Veranstaltung findet im Rahmen der Aktionswochen gegen Antisemitismus der Galerie der Amadeu Antonio Stiftung statt.

http://www.amadeu-antonio-stiftung.de/start/

Weil wir das meiste davon aber schon kennen, uns auch so solidarisch und sympathisierend dazu verhalten können und unseren Abend schließlich auch schon lange feststehen haben, etwas Regelmäßigeres machen und uns auch mal entspannen wollen und uns außerdem auch schon vorbereitet haben, sind wir am Freitag Abend trotzdem/sowieso/und überhaupt im Vetomat.
Also. Bis dann!

(Nag, nag, … http://stressfaktor.squat.net/termine.php?tag=28102011)

Party hard…

party on…

Tonite in Vetomat:

“*Vokü*Music*Kunst*Activimus*

19h – Bar Opens!

20h – Spezial Vegetarische Vokü mit Karotte-Ingwerzitrone Suppe – Polnisch Pierogies in Stil der alten Welt & Schwarzwälder Kirschtorte

20h – Music Starts :

20h – 21h30 – DJ Blume ( Berlin ) Experimental Hip Hop

21h30 – 23h – Acid Pony Club DJ Team ( Paris ) Ambient – Experimental Dub Instrumentals and Acid Jazz

http://www.facebook.com/pages/Acid-Pony-Club/51397811833

23h – 1h30 – Josh Winiberg ( Dartington , U.K. ) Deep Tech House

1h30 – open ended – Ascetic ( Bad Sekta / Planet Terror ) Berlin
Experimental / IDM / Electronic / Techno

http://www.asceticunderground.com/

22h – 22h30 – Live-Animation Performance
“super analog 2.5-Dimensional mini theater”
by SHOXXX ( Japan )

http://www.shoxxxboxxx.com/

Video Projektion and Installation by HEADSQUATTER

http://headsquatter.org/

* Special thanks to the Vétomat Collective for the collaboration from Shadowcast

http://shadowcast.free.fr/

Eintritt: frei / Spenden erwünscht!

http://wp.vetomat.net/?p=1201

Stichpunkte vom Offenen-Antifa-Cafe im Vetomat am 20.10.2011, Thema: Neues Buch zur Wehrmachtsdebatte

Vorgestellt und kritisch besprochen wurde das Buch von Sönke Neitzel und Harald Welzer: “Soldaten – Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben”. In diesem werten die zwei früher geheime Abhörprotokolle, der Alliierten, von in Gefangenschaft geratenen deutschen Soldaten sozialwissenschaftlich aus und stellen bedenkliche (sozio- und psychologische) Vergleiche mit modernen Kriegen an.
Dazu wurden Auszüge aus dem Buch vorgelesen und anschließend kritisch kommentiert.
Es ging dabei u.a. um die Frage des eigenen Bewusstseins der deutschen Soldaten der Wehrmacht für Kriegsverbrechen, z.B. nach der “Haager Landkriegsordnung” von 1907, aber auch um ihre allgemeinen Moralvorstellungen. Wobei der Sonderfall (der “deutsche Sonderweg”) unabhängig vom sog. Kriegsrecht zu berücksichten ist.
Leider ging es in dem Buch, wie von der Antifa auch schon angekündigt, weniger um die Besonderheit der deutschen NS-Ideologie, die laut dem Buch für die Verbrechen und Vergehen angeblich keine tragende Rolle spielte. Vielmehr wurde der verschroben konditionierte “Sportsgeist” und Ehrgeiz der Wehrmachtssoldaten zunächst durch Zitate in den Vordergrund gestellt. Dabei fiel sofort auf, daß die geheim abgehörten Soldaten in ihren Gesprächen während der Gefangenschaft z.T. mehrmals in wenigen Sätzen die Worte “Spaß” bei der Beschreibung eindeutiger Mordtaten benutzten. Das sollte nicht (allein) als verrohter Sprachgebrauch von “unpolitischen” Auftragstätern oder von Männern in Gefangenschaft verharmlost werden.
Die Antifa Friedrichshain (AFH) schreibt dazu in ihrer Ankündigung: “Sönke Neitzel / Harald Welzer kommen schließlich nach Betrachtung der Soldatengespräche zu einer provokanten These: Die nationalsozialistische Ideologie habe danach eine weit geringere Rolle für das Morden der deutschen Soldaten gespielt als dies bislang in der Wissenschaft vertreten wurde. Einzige Ausnahme [sind] die Massenerschießungen an jüdischen Zivilisten.”
Es wurden bei den Kriegsverbrechen der Wehrmacht auf vereinfachte Ansichten – von “einfachen Leuten” – und Bemerkungen hin zu einem Sportkult gemacht und auf das Denken des sog. Berufsethos, des unbedingten Gehorsams, der Disziplin, “Soldatenehre” und Autoritätsgläubigkeit verwiesen.
Die heutigen friedrichshainer AntifaschistInnen fanden das zwar auch sehr problematisch, jedoch konnten sie an dem Abend keine genauere Erklärung für die Vorgehensweise der im Buch beschriebenen, abgehörten, Soldaten, z.B. beim Abschuß von Wohnhäusern, Autos und Menschen der britischen Zivilbevölkerung geben, als daß die Soldaten in der Absicht handelten alle mit dem “Feind” kollaborierenden gleich zu töten und wie aus dem Buch zitiert wurde dem “Spaß”, bzw. der höheren Abschußquote wegen handelten, um möglichst schnell das Ritterkreuz zu bekommen (“positive Konditionierung durch Orden”), bevor der Krieg vorbei gewesen wäre. Vor dem zweiten Weltkrieg habe es ca. zehn, nach dem Krieg ca. 35 Orden gegeben.
Sehr grausam waren zunächst die Zitate der Schilderungen der Soldaten von ihren eigenen Kampfaktionen. Als der Befehl gekommen sei Notabwürfe zum abdrehen zu machen berichteten ehemalige NS-Bomberpiloten Wasserminen auf Häuser geworfen und NS-Jagdflieger panzerbrechende (“zwei Zentimeter”) Bordkanonen frontal auf Autos gerichtet zu haben. Ging es ihnen dabei nur um Trophäen und Abschußzahlen anstelle der aus Ihnen sprechenden Vernichtungsideologie? Was ist mit dem Vernichtungswillen gegen “alles Volksfeindliche”?
Später wurde dann zunehmen, durch die Buchauszüge festgestellt wie grausam, abgestumpft und kaltblütig die Soldaten vorgingen und sich selbst zu den Taten der SS verhielten. Die öffentlichen Massenerschießungen kritisierten sie laut den Protokollen nur dann wenn sie ihnen selbst zu nahe kamen oder z.B. das “Leichenwasser” aus den Massengräbern das Grundwasser erreichen könnte, d.h. ihre eroberten Tiefbrunnen (im Osten) zu vergiften drohte.
Sie gaben der SS dazu z.B. selbst den Rat die Erschießungen doch besser in den weiter entfernten Wäldern, anstatt am Stadtrand vorzunehmen.
Einzelne Soldaten beklagten sich bei der Transportaufsicht von russischen Kriegsgefangenen nicht über die unmenschlichen Bedingungen, sondern darüber mit ansehen zu müssen wie sich die Gefangenen “wie Tiere” – aufgrund der schlechten Bedingungen – verhielten, selbst zerfleischten oder gegenseitig aufaßen, nachdem ihre entkräfteten Kampfgefährt(Inn)en von der NS-Zugbewachung erschossen/ermordet wurden.
Das Verhalten an der Ostfront ist dabei viel härter als an der ruhigeren Westfront gewesen. PartisanInnen und Aufständische, sowie GegnerInnen, sind auf grausamste Weise hingerichtet und massakriert worden, das belegen die Protokolle auf genauso eindrückliche Weise, wie daß die Wehrmachtsangehörigen alle bestens über die Massenmorde an den JüdInnen und Anderen bescheid wussten.
Interessant waren auch andere anekdotenhafte Gesprächsauszüge über den Führerkult (“Was der Adolf für einen tollen Schädel hat”) und die Enttäuschung des Führerglaubens gegen Kriegsende. Dazu wurde auch die tausendfache “Fanpost” die Hitler “aus dem Volk” erhalten haben soll erwähnt.
Die Wehrmachtssoldaten hatten allerdings vielfach die Ideologie des totalen Krieges in sich aufgenommen. So sprachen sie in den Zitaten ihrer Berichte von der “Ostfront” sehr wohl davon, daß es dort gegen Ende nur noch um “moralische Gewinne”, nicht mehr um “Geländegewinne” gegangen sei.

In anbetracht solcher revisionistischer Debatten wie damals (’98/99) um die Wehrmachtsausstellung ist es trotz und gerade wegen aller Kritik sehr wichtig solche Bücher zu besprechen.
Das Buch hat laut der Antifa Fhain viele wichtige und damit gute Seiten der Auswertung der Zitate als Primärquellenbelege zu bieten. Allerdings ist es in seinen wertenden Urteilen, zwischen den Zeilen, sehr kritisch zu lesen und zu betrachten.
Außerdem sei der regressive Gehalt in der vergleichenden Darstellung zu modernen Kriegen, wie dem Vietnam- und zum Irakkrieg sehr kritisch zu begutachten, äußerte ein Gast.
In ihrer Schlußfolgerung und dem Fazit äußerte sich davor und danach auch die Vertreterin der AFH entsprechend; daß das Buch besser für antimilitaristische Positionen sei, denn für die direkt antifaschistische Sicht schon sehr bedenklich ist.
Es sei leider “ein negativer Beitrag für die laufende Debatte” – in der sich der Geschichtsrevisionismus nicht nur rechts von sog. Vertriebenen- und Heimatverbänden, sondern auch von Seiten der Bundesregierung und Landesregierungen (vgl. z.B. den profitorientierten, privatisierten, Umgang mit ehemaligen Nazigroßbauten), sowie Vertretenden der Verfassungsorgane und Geheimdienste (VS) zuspitzt, wäre dem noch hinzuzufügen.

Ähnliches kennt Mensch ja bereits von z.B. Guido Knopp, Büchern und Filmen. Vgl.: AIB Nr. 64, Herbst 2004, “Ästhetischer Revisionismus” (http://www.nadir.org/nadir/periodika/aib/archiv/64/index.php).

Links:

http://www.verbrechen-der-wehrmacht.de/

http://www.verbrechen-der-wehrmacht.de/docs/ausstellung/kundr.htm#

https://secure.wikimedia.org/wikipedia/de/wiki/Haager_Landkriegsordnung

https://secure.wikimedia.org/wikipedia/de/wiki/Wehrmachtsausstellung

http://www.hagalil.com/deutschland/tacheles/m-tach2.htm

http://www.al.uni-koeln.de/info/47/0502.html

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Das Offene-Antifa-Cafe Friedrichshain (OACafe Fh) findet jeden dritten Donnerstag im Monat im Vetomat statt, wird veranstaltet von der Antifa Friedrichshain (AFH) und will auch zu Austausch und Diskussionen anregen. Es soll ein Treffpunkt von und für Antifas sein. Außerdem gibt es immer einen Infotisch und eine kleine Vokü, sowie meistens einen gut vorbereiteten Input.

Kontakt zur Antifa hier im “Kiez”:

http://www.antifa-fh.de.vu/

ANTIFA FRIEDRICHSHAIN (AFH)
POST: AFH c/o Infoladen Daneben, Liebigstr. 34, 10247 Berlin
MAIL: antifa-fh[at]riseup.net PGP-Key: Fingerprint 0C13 3DFF 6A93 25C6 F1AB F9EF 92A5 3E1C DFAC C52F

Neunter November 2011 – 73 Jahre danach… – Gedenken am 9.11. in Moabit

73 Jahre nach der “Reichspogromnacht” [und den vorausgegangenen Taten der nationalsozialistischen Täter*(_Innen)].
Solidarität mit den Opfern des deutschen NS-Faschismus, von Antisemitismus und Rassismus

9.Novemver 2011 – Mittwoch, 17h – Gedenkkundgebung (Mahnwache) und Demonstration in Moabit

Auftaktkundgebung am Mahnmal Levetzowstrasse (Ubhf Hansaplatz, S-Bhf Tiergarten) in Moabit mit der Zeitzeugin Andrée Leusink (geboren am 14. Mai 1938).

Sie überlebte als verstecktes jüdisches Kind den Holocaust in
Frankreich und der Schweiz. Heute ist sie aktiv in der
antifaschistischen Bewegung, darunter den „Child-Survivors-Deutschland – Überlebende Kinder der Shoah“ und der VVN-BdA Berlin-Pankow e.V.. Andrée Leusink ist die Tochter des DDR-Schriftstellers Stephan Hermlin.

Anschließend:
Antifaschistische Demonstration zum Mahnmal an der Putlitzbrücke (S-Bf-Westhafen)

Internetseite: antifa-moabit.de.vu
Link zur Zeitung:

http://www.nadir.org/nadir/initiativ/aim/texte/9.November%20Zeitung%202011.pdf

https://www.facebook.com/event.php?eid=214098115321946

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AUFRUF:

Auftakt zur Vernichtung
Die Gewalt der Novemberpogrome vom 7. -13. November 1938 fand am 9. November ihren vorläufigen Höhepunkt. Überall in Deutschland und Österreich brannten die Synagogen, jüdische Geschäfte und Wohnungen wurden überfallen, demoliert und geplündert. Jüd_innen wurden von deutschen Antisemit_innen gedemütigt und geschlagen, vergewaltigt und ermordet. Etwa 30.000 Männer wurden verhaftet und in die Konzentrationslager Buchenwald, Dachau und Sachsenhausen verschleppt.
Die Pogrome stellten eine weitere, entscheidende Radikalisierung der antijüdischen Politik des NS-Regimes dar. Bis dahin hatten die Nazis die deutschen Jüd_innen Schritt für Schritt aus der Gesellschaft ausgegrenzt: mit Berufsverboten, Ausschluss aus den Universitäten,
später mit den „Nürnberger Rassegesetzen“ oder der „Arisierung“ jüdischer Unternehmen. Der NS-Antisemitismus wurde nach den Novemberpogromen immer gewalttätiger und gipfelte letztlich in dem Versuch, alle Jüd_innen Europas gezielt und umfassend zu ermorden. Bis 1945 haben die Nazis sechs Millionen Jüd_innen ermordet.

Antisemitismus – Ein stets abrufbares Ressentiment
Antisemitismus ist heute in der deutschen Bevölkerung immer noch weit verbreitet. In den letzten Jahren konnte sogar eine Zunahme von antisemitischen Vorfällen verzeichnet werden. Umfragen zeigen, dass über die Hälfte der Deutschen indirekte oder offen feindliche Einstellungen gegenüber als jüdisch markierten Menschen vertreten. Laut der aktuellen
Heitmeyer-Studie 2010 stimmen 16,4 % der Befragten der Aussage zu, dass Jüd_innen zu viel Einfluss hätten. Außer der Schändung von jüdischen Grabstätten oder von Holocaust- Gedenkstätten gibt es auch Vorfälle, die sich direkt gegen Menschen richten. So zeigte sich bei einem Vorfall im
brandenburgischen Werder im September 2011, daß Antisemitismus auch bei den Enkelinnen und Enkeln der Täter_innengeneration weit verbreitet ist. Mitarbeiter_innen des Jüdischen Museums in Berlin wurden in diesem Jahr bei einem Schulbesuch in übelster Art und Weise antisemitisch beschimpft. Die Schüler_innen meinten u.a., „früher hätte man euch vergast“. Die Äußerungen wurden herunter gespielt und die Lehrer_innen nahmen ihre Schüler_innen in Schutz.
Die neonazistische NPD hingegen macht sich nichts daraus, ihren Antisemitismus zu verbergen. Erst jüngst warb die Partei mit dem Werbeslogan „Gas geben“. Die Plakate hingen über Wochen in der ganzen Stadt, auch vor jüdischen Einrichtungen. Die Partei kann sich nicht nur das Plakat dank der Wahlkampfkostenrückerstattung durch Steuergelder
finanzieren lassen, sondern es auch unter dem Schutz der Polizei aufhängen. Ob offen, wie bei der den NS verherrlichenden NPD oder bürgerlich verdeckt wie in Werder: Es gilt allen Formen des Antisemitismus den Kampf anzusagen.

9.November 2011 – Erinnerung ohne Opfer und Täter_innen?
Mittlerweile hat die Erinnerung an die Ereignisse vom November 1938 und den darauf folgenden Verbrechen der Deutschen ihren Platz in der offiziellen Gedenkkultur gefunden: In beinahe jeder größeren deutschen
Stadt, in vielen Parlamenten und Rathäusern werden am 9. November Gedenkveranstaltungen organisiert. Bis in die 80er Jahre waren es oft nur die jüdischen Gemeinden, kleine kirchliche und antifaschistische Gruppen, die an die Pogrome erinnerten. Inzwischen, da es kaum noch NS-Täter_innen gibt, die zur Verantwortung zu ziehen wären, hat auch das
offizielle Deutschland das Gedenken für sich entdeckt und präsentiert sich europaweit als „Aufarbeitungsweltmeister“. In diesem Kontext ist zum Beispiel auch die jüngste vielgelobte Studie zur braunen Vergangenheit des Auswärtigen Amtes zu sehen. Das Wissen um die NS-Verbrechen ist nun ein fester Bestandteil bundesdeutscher Erinnerungspolitik.
Damit verschiebt sich die Deutungshoheit über die NS-Verbrechen weg von den ehemals Verfolgten und Menschen aus dem Widerstand zugunsten derer, die heute das Gedenken bestimmen. Die letzten Überlebenden der NS-Verfolgung können nicht mehr lange Einspruch gegen Geschichtsrevisionismus oder ihre Vereinnahmung erheben. Antifaschistische Gedenkstätten werden zunehmend zu Orten mit „doppelter Vergangenheit“, an denen ununterscheidbar den Verbrechen des NS und z.B.
den Insass_innen der oft nachfolgenden sowjetischen Speziallager gedacht wird. Eine Gleichsetzung wird damit zumindest nahegelegt. Zugleich wird die Rolle des antifaschistischen Widerstands in den Hintergrund gedrängt
und gerade seine kommunistischen Inhalte und Beweggründe werden mehr und mehr delegitimiert.
Deutschland wehrt auf internationale Ebene Ansprüche von nicht
entschädigten Opfern, zum Beispiel vom Wehrmachtsmassaker in Distomo, vehement ab. Auch die faktische Straflosigkeit für deutsche NS-Täter_innen besteht weiterhin. Viele von ihnen können sogar bis an ihr Lebensende eine Rente in Anspruch nehmen. Nach wie vor werden deutsche Täter_innen, die rechtskräftig wegen Massakern an der Zivilbevölkerung verurteilt wurden, nicht ausgeliefert. Jüngstes
Beispiel ist der in Berlin lebende Helmut Odenwald. Stattdessen geht Deutschland in die Offensive und klagt vor dem Internationalen Gerichtshof staatliche Immunität gegen Entschädigungsklagen für deutsche Kriegsverbrechen von Privatpersonen ein. Die Strategie der zu spät stattfindenden Aufarbeitung bei gleichzeitiger Kostenarmut ist für
Deutschland funktional: Es wird nach außen als anerkannter Partner der „westlichen Wertegemeinschaft“ akzeptiert, nach innen kann sich die deutsche Gesellschaft darauf berufen
und mit der „Geschichte abschließen“.
Notwendige Lehren aus dem Faschismus haben sich nicht durchgesetzt. Am 25. Januar 2009 stellten Überlebende verschiedener Konzentrationslager in ihrem Vermächtnis fest:
„Nach unserer Befreiung schworen wir eine neue Welt des Friedens und der Freiheit aufzubauen: Wir haben uns engagiert, um eine Wiederkehr dieser unvergleichlichen Verbrechen zu verhindern. Zeitlebens haben wir Zeugnis
abgelegt, zeitlebens waren wir darum bemüht, junge Menschen über unsere Erlebnisse und Erfahrungen und deren Ursachen zu informieren. Gerade deshalb schmerzt und empört es uns sehr, heute feststellen zu müssen:
Die Welt hat zu wenig aus unserer Geschichte gelernt. (…) Anstatt unsere Ideale für Demokratie, Frieden, Toleranz, Selbstbestimmung und Menschenrechte durchzusetzen, wird Geschichte nicht selten benutzt, um zwischen Menschen [...] Zwietracht zu säen. Wir wenden uns dagegen, dass Schuld gegeneinander aufgerechnet, Erfahrungen von Leid hierarchisiert, Opfer miteinander in Konkurrenz gebracht und
historische Phasen miteinander vermischt werden.“

Antitotalitarismus statt Antifaschismus
Worauf die Lagerkomitees hier anspielen, ist der „antitotalitäre“ Habitus einer gemeinsamen europäischen Geschichtsschreibung, die sich angeblich gegen jeden Extremismus wendet, indem die NS-Verbrechen mit
dem stalinistischen Terror oder Englands Bombenangriffen verglichen bzw. aufgerechnet werden. Dementsprechend forderte 2009 das Europaparlament dazu auf, den 23. August als Gedenktag für die „Opfer aller totalitären und autoritären Regime“ einzurichten. Folgen eines solchen Geschichtsrevisionismus sind zum Beispiel Versuche, jüdische
Partisan_innen in Litauen wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit anzuklagen, weil sie gegen Nazis und Kollaborateure ihr nacktes Leben verteidigten. In der Ukraine werden faschistische Kollaborateure zu antisowjetischen Freiheitskämpfern und Patrioten hochstilisiert. In
Deutschland inszeniert der Bund der Vertriebenen deutsche Täter_innen als Opfer, indem er „sämtlichen Vertriebenen in Europa ein Denkmal setzt“. Er vergleicht damit die Umsiedlung der Deutschen in den Jahren 1945/46 mit den Genoziden an den Jüd_innen und Roma. Wo alle unterschiedslos Opfer sind,
gibt es keine Täter_innen und keine historischen Herleitungen mehr.

Antiziganismus – Eine ungebrochene Tradition Neben den Jüd_innen planten die Nazis ebenso für die Sinti und Roma ihre
vollständige Vernichtung. Über 500.000 Roma und Sinti wurden in den Ländern Europas ermordet. Entschädigungszahlungen wurden den in Deutschland lebenden Sinti und Roma lange vorenthalten, in den osteuropäischen Staaten erhielten sie überhaupt nichts. In einer seiner letzten Reden warnte der im September 2011 verstorbene Vorsitzende des Internationalen Auschwitz-Komitees Noah Flug vor der aktuellen bedrohlichen Situation von Roma. Die gewalttätigen Pogrome der vergangenen Monate und Jahre in Tschechien, Ungarn, Rumänien, Bulgarien
und Italien sowie die rassistische Roma-Politik Sarkozy´s in Frankreich, dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch in Deutschland Roma unerwünscht sind. Jüngstes Beispiel ist ein Brandanschlag auf ein Mehrfamilienhaus in Leverkusen am 24. Juni. Dort wohnten 19 Sinti und Roma, die sich glücklicherweise retten konnten. Auch die rassistische
Hetze gegen Roma seitens Presse und Politik in Berlin spricht Bände. Immer noch sind 10.000 Roma aus dem Kosovo und Serbien in Deutschland von Abschiebung bedroht. Diesen Menschen eine sichere und vorbehaltslose Aufenthalts- und Lebensperspektive zu ermöglichen, wäre aufgrund der deutschen Geschichte das Mindeste. Das ist eine berechtigte Forderung von Sinti
und Roma, die von Deutschland bis heute nicht eingelöst wird.

Hoyerswerda 2011 – Antifaschistisches Gedenken unerwünscht
Vor 20 Jahren entfachte der nationalistische Taumel infolge der „Wiedervereinigung“ das rassistische Pogrom in Hoyerswerda im September 1991. Unter den Augen der Polizei und unter Beifall der Einwohner_innen wurden afrikanische und vietnamesische Vertragsarbeiter_innen und Flüchtlinge von einem Mob aus Nachbar_innen und angereisten Neonazis zusammengeschlagen, durch die Straßen gehetzt und in ihren
Wohnheimen umzingelt. Sie wurden schließlich aus der Stadt evakuiert. Neonazis erklärten Hoyerswerda triumphierend zur „ausländerfreien Stadt“. Es folgten die [Mordversuche, Ausschreitungen] und Mordanschläge von Rostock-Lichtenhagen, Solingen und Mölln. Kurz nach der darauf folgenden faktischen Abschaffung des Rechts auf Asyl 1993 kam es zu einer weiteren
Welle von rassistischen Übergriffen. Gleichzeitig wurden zahlreiche jüdische Friedhöfe geschändet.
Zum diesjährigen Jahrestag wurden ehemalige Vertragsarbeiter_- innen und Opfer der damaligen [nachtlangen Brandschatzungen durch deutsche Neonazis] in Hoyerswerda wieder rassistisch beschimpft und bedroht. Das antifaschistische Gedenken wurde von Neonazis massiv
gestört. Hoyerswerdas CDU Bürgermeister Skora beschrieb die Lage unfreiwillig sehr treffend: „Ich wehre mich dagegen zu sagen, dass sich bei uns nur die Rechten wohlfühlen“ sagte er in einen Radiointerview im Deutschlandfunk. Während also Nazis scheinbar zur Bevölkerung dazu gehören, werden Antifaschist_innen als von außen kommende „Nestbeschmutzer_innen“ diffamiert. Diese Vorfälle stehen symptomatisch für die Kontinuität rassistischer Zustände.

Israel – Staat der Überlebenden des Holocaust
Der kürzlich verstorbene Vorsitzende des Internationalen
Auschwitz-Komitees Noah Flug berichtete, dass noch über 200.000 Überlebende des Holocaust in Israel leben: Unter ihnen viele Überlebende der Konzentrationslager, des Partisan_innenkampfes sowie Menschen, die sich oft jahrelang vor den Nazis verstecken mussten. Israel wurde
während und nach dem Zweiten Weltkrieg Zufluchtsort für diejenigen, die sich dem mörderischen Zugriff des Nationalsozialismus entziehen konnten.
Unter den Kämpfenden des israelischen Unabhängigkeitskrieges von 1948 war auch ein sehr großer Teil von Menschen, die den deutschen Faschismus überlebt hatten. Antifaschistische Organisationen wie der VVN begrüßten damals die Gründung des Staates Israel als einen notwendigen Schritt zur Schaffung eines Ortes, wo es keine antisemitische Ausgrenzung und
Morddrohungen mehr geben sollte. Die [USA und die] Sowjetunion, aber auch viele andere Staaten, in denen die Nazis gewütet hatten, erkannten Israel kurz nach dessen Gründung an und lieferten Waffen zu dessen Verteidigung. Über 60 Jahre später muss Israel weiterhin gegen weltweite
Delegitimierungsversuche und politische Bewegungen in seinen
Nachbarländern kämpfen, die dem jüdischen Staat jegliche
Existenzberechtigung absprechen. Diese Anfeindungen fordern eine solidarische Empathie von Antifaschist_innen. Dies bedeutet keine kritiklose Zustimmung zur israelischen Regierungspolitik. Es ist darauf zu achten, dass keine pauschalen Urteile gefällt, Israel nicht dämonisiert oder Doppelstandards angelegt werden.

All diese Entwicklungen verleihen der Erinnerung an den [Gipfel der antisemitischen Pogrome in Nazideutschland und die Nacht von] 1938 erschreckende Aktualität und Notwendigkeit. Dem Gedenken an die deutschen NS-Verbrechen auch weiterhin Gehör zu verschaffen sowie Konsequenzen daraus einzufordern, bleibt die wichtigste Aufgabe für alle
Antifaschist_innen.
Der ehemalige Vize-Präsident des Internationalen Buchenwald-Komitees, Emil Carlebach, brachte es anlässlich der
Feierlichkeiten zum 50. Jahrestag der Befreiung auf den Punkt: „Zu Frieden und Freiheit aber gehört auch die Tradition des Kampfes gegen den Faschismus, gegen Antisemitismus und Herrenmenschentum. In diesem
Kampfe waren wir vereint, in diesem Kampfe bleiben wir vereint.“
In diesem Sinne hoffen wir, möglichst viele von Euch am 9. November auf der Gedenkdemonstration in Moabit zu sehen.

Antifaschistisches Bündnis Süd-Ost,
Autonome Neuköllner Antifa,
Antifaschistische Initiative Moabit, 2011
[Editet by GjAnmDuFdK]

Im Andenken an Noah Flug, den Vorsitzenden des Internationalen
Auschwitz-Komitees (geboren am 1. Januar 1925 in Łódź, Polen, gestorben am 11. August 2011 in Jerusalem).


Antifaschistische Initiative Moabit [AIM] – Berlin a_i_m [at] gmx [dot] de – http://www.antifa-moabit.de.vu – Mitglied in der Berliner VVN-BdA

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Zitiert und Verändert nach der E-Mail aus dem Newsletter Kompetente Netzwerke des:
apabiz e.V. antifaschistisches pressearchiv und bildungszentrum berlin e.V. lausitzer str. 10 | 10999 berlin fon / fax 030-611 62 49 | mail [at] apabiz [dot] de www.apabiz.de | www.turnitdown.de | www.whatwecando.de | www.facebook.com/apabizberlin


“Gegen jeden Antisemitismus – nieder mit Deutschland – und für den Kommunismus!”

Das Gedenken von Grunewald

Dienstag, 18. Oktober 2011, 14 Uhr – Ort: Denkmal “Gleis 17″
S-Bahnhof Grunewald

Am 18. Oktober 1941, vor 70 Jahren, verließ der erste
“Osttransport” mit 1.089 jüdischen Kindern, Frauen und Männern aus Berlin den Bahnhof Grunewald in Richtung Ghetto Litzmannstadt.
Der Berliner Senat und die Jüdische Gemeinde zu Berlin werden am 18. Oktober 2011 um 14 Uhr mit einer gemeinsamen öffentlichen Veranstaltung am Denkmal “Gleis 17″ (S-Bahnhof Grunewald) an den Beginn der nationalsozialistischen Deportationen aus Berlin erinnern. Die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Lala Süsskind, wird sprechen.

Am Ende der Veranstaltung werden weiße Rosen am Bahnsteig
niedergelegt.

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http://www.roland-harder.de/relikte_drittes_reich/Bahnhof-Grunewald/Tafel.jpg
Quelle: http://www.roland-harder.de/relikte_drittes_reich/bahnhof-grunewald-gleis_17.html
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“Grunewaldrampe
Der Bezirk Wilmersdorf (ursprünglich die Dörfer Wilmersdorf, Schmargendorf und die Kolonie Grunewald) wurde 1910 ein Verwaltungsbezirk von Groß-Berlin. Viele Literaten, Musiker und Künstler lebten hier: Julius Bab, Max Reinhard, Alfred Kerr, Felix Nussbaum, Lion Feuchtwanger, Fritz Lang, Egon Erwin Kisch, Anna Seghers … Der Ortsteil Grunewald war ein beliebter Wohnort von Angehörigen der Berliner Oberschicht wie Industriellen, Bankiers oder Politiker. 1933 hatte Wilmersdorf den höchsten jüdischen Bevölkerungsanteil aller Berliner Bezirke, nämlich fast 15 %.”

http://www.berlin-judentum.de/denkmal/grunewald.htm

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“Mehr Schutz für NS-Gedenkstätten
Der Berliner Senat hat einen Gesetzentwurf zum Schutz von NS-Gedenkstätten beschloßen. Er sieht vor, daß Versammlungen und Demonstrationen bei Erinnerungsorten für NS-Opfer mit Auflagen belegt oder verboten werden können. Das Land setzt damit die Verschärfung des Versammlungsrechtes um, die der Bund im Frühjahr 2005 anläßlich befürchteter Nazi- Demonstrationen zum 60. Jahrestag des Kriegsendes beschloßen hatte.Besonders geschützt werden sollen unter anderem die Neue Wache, die Gedenkstätten Plötzensee und Deutscher Widerstand, die Topographie des Terrors, das Haus der Wannsee-Konferenz, das Mahnmal “Gleis 17″ am Bahnhof Grunewald, der Jüdische Friedhof Weißensee, das Jüdische Museum Berlin und die Gedenkstätten vor dem Gemeindehaus der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Das Holocaust-Mahnmal unterliegt bereits einem solchen Schutz.”

http://www.zentralratdjuden.de/de/article/919.html?sstr=grunewald

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“Gedenkstätten am Bahnhof Grunewald
Zur Erinnerung an die Deportation jüdischer Bürgerinnen und Bürger Berlins vom Bahnhof Grunewald in die Vernichtungslager des nationalsozialistischen Staates. Der erste Deportationszug fuhr am 18.10.1941 nach Litzmannstadt (Lodz), der letzte am 5.1.1945 nach Sachsenhausen. Seit 1988 organisieren hier jedes Jahr am 9. November Schülerinnen und Schüler [...] mit [...] dem Zeitzeugen Isaak Behar eine Schüler-Gedenkveranstaltung. Der israelische Ministerpräsident und die israelische Außenministerin haben hier bei Staatsbesuchen 2006 und 2007 Kränze niedergelegt. Vom 21.4. bis zum 22.4.2008 und vom 8.5. bis zum 10.5. 2010 machte der Zug der Erinnerung Station am Bahnhof Grunewald.”

http://www.berlin.de/ba-charlottenburg-wilmersdorf/bezirk/gedenktafeln/bahnhof_grunewald.html

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“Gedenken an Deportationen
Weiße Rosen an Gleis 17
Zwischen 1941 und 1945 wurden rund 55000 Berliner Juden mit Zügen nach Theresienstadt, Riga, Lodz oder Auschwitz [verschleppt] und [ermordet!].
Vor 70 Jahren wurden die ersten [Jüdinnen und Juden aus Berlin] deportiert – insgesamt wurden rund 55000 [Jüdinnen und Juden] in den Tod geschickt. Nun wird ihrer am Bahnhof Grunewald mit weißen Rosen gedacht.”

http://www.tagesspiegel.de/berlin/weisse-rosen-an-gleis-17/4744062.html

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“Bahn behindert Gedenken im Berliner Hauptbahnhof
Sperrung auch an der Gedenkstätte Grunewald / Bahn-Vorstand: Erinnerung bleibt „kostenpflichtig“”

http://www.zug-der-erinnerung.eu/aktuell/berlin2.html

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Sonntag, 23. Oktober 2011 um 11 Uhr – Ort: Werner Seelenbinder
Sportpark in der Oderstraße 182 in Neukölln

Für den mehrmaligen Deutschen Meister im Ringen, Olympiateilnehmer und ermordeten Widerstandskämpfer Werner Seelenbinder wird eine kleine Gedenkstunde an deszen Grab stattfinden.
Das Stadion Neukölln wurde 2004 in Werner-Seelenbinder-Sportpark umbenannt. An der Neuköllner Konrad-Agahd-Grundschule, Thomasstraße 39, damals Hausnummer17 weist eine Berliner Gedenktafel darauf hin, daß sich hier eine Trainingsstätte von Werner Seelenbinder befand.

Veranstalter: VVN/VdA Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes /
Verband der Antifaschistinnen und Antifaschisten.

http://berlin.vvn-bda.org/