Monthly Archives: February 2013

29.3. Workshop zur Kritik der Scherbentheorie

Im Sommer 2012 veröffentlichten Mitglieder des zu diesem Zeitpunkt bereits aufgelösten ‘Club für sich’ in Berlin eine so schonungslose wie solidarische Zustandsbeschreibung des Scherbenhaufens der hiesigen Linken. Mit dem in so Reizwort-besoffenen Zeiten wie heute mutigen Figur der “kommunistischen Totalität” zeigen sie in ihrem 16-seitigen Text zudem konsistente Perspektiven auf.

Beim Versuch, diesem Beitrag gerecht werden, verzichten wir an diesem Abend auf die lockere Salon-Atmosphäre zu Gunsten einer strukturierten Arbeit mit dem Text und folgen dabei schulmäßig den Schritten der kritischen Methode.

Wir beginnen den Abend gewissermaßen mit der 2. Lesung, der Würdigung. Wir tragen also zusammen, welche neue Einsichten uns der Beitrag vermittelt hat und beschreiben etwaige dadurch ausgelöste Erkenntnisprozesse. In 3. Lesung nehmen wir uns all jenes vor, womit wir Mühe haben, aus welchen Gründen auch immer. Wir versuchen als erstes und soweit erforderlich, uns kollektiv auf Augenhöhe mit dem Gegenstand zu bringen. Dies erfordert explizit eine selbstkritische, oder altmodisch ausgedrückt, demüte Haltung, also das ernste “ich verstehe noch nicht…”. Da die Scherbentheorie allerdings über weite Strecken eine gut lesbare Realanalyse ohne verwickelte philosophische Denkfiguren ist, wie sie einem theoretischen Traktat eigen sind, sollte uns diese Pein weitgehend erspart bleiben.

Der spannendste, auch weil zu selten geübte, Teil, also Auffassung, Aneignung, Selbstreflexion und kollektives Lernen ist damit bereits gehalten. Aber wenn die Kräfte noch für die 4. Lesung reichen, die Bearbeitung der Widersprüche, bitte schön.

Ob stumm, störend oder diszipliniert schon in Erscheinung getreten, jetzt schlägt unvermeidlich die Stunde eventueller Gegner des ganzen Ansatzes oder wesentlicher Teile davon. Der antagonistischen, der vernichtend gemeinten Kritik gebührt, als, wenn auch nicht weiterführenden, wohl aber formal weitergehenden Position, hier bei Bedarf der Vorrang. An dieser Stelle gabelt sich also das Programm des Abends: entweder endet er in der Kontroverse oder findet seinen Abschluß in der konstruktiven Kritik, der Kritik als Zuwendung an den Gegenstand, als vorantreibend verstandener Beitrag der Kritikerinnen zur gemeinsamen Sache, im schönsten Teil also.

In der – genau in diesem Sinne kritischen – Runde begrüßen wir alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die sich in Vorbereitung des Programms der 1. Lesung unterzogen, also den Text gelesen haben und themenzentriert mitarbeiten wollen. Publikum übernimmt die Theater-typische Rolle der Handarbeit und ist ebenfalls gerne gesehen, der Eintritt ist frei.

Freitag, 29.03.2013 19.00h im VETOMAT

Der Text: http://www.magazinredaktion.tk/Scherbentheorie.php (als
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Von 17.00 bis 19.00 Uhr, also vor dem Termin, bieten wir dazu in den Räumen des VETOMAT Lesestunden an. Kopien des Textes halten wir gegen Kopiergroschen für Euch bereit.

www.politsalon.fr.ms

Kontakt:

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Email: politsalon (at) vetomat (dot) net

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Vortrag von Jakob Blumtritt: Wie bitte? Essay zu Sprachkritik vs. Sprachpolitik.

Anhand eines Essays wird dargestellt, was einem an Sprachkritik und Sprachpolitik aufgeht. Dabei wird versucht, zugegebenermaßen wird man sich das als eine Voreingenommenheit leisten, zu zeigen, dass Sprachkritik und Sprachpolitik nicht glücklich miteinander synthetisiert werden können.Obendrein wird gezeigt, dass für das Interesse, sich als jemand Denkendes und Handelndes innerhalb von Kritik und Krisis der Gesellschaft zu bewegen, Sprachkritik, bzw. Ideologiekritik unverzichtbar ist, hingegen auf Sprachpolitik, auch linke, getrost verzichtet werden kann. Denn Sprachpolitik simuliert Kritik, indem sie nur noch mit jenem Nominalismus vorgeht, der „zum bürgerlichen Urgestein“ [Adorno] gehört. Seine Ambivalenz mag jedoch im Unterschied zum bürgerlichen Nominalismus von einst, nun nicht mehr vom Druck der Autorität des Begriffes befreien, sondern empfindet nun die Arbeit am Begriff selbst bereits als ein Druck, gegen die man sich qua Sprachpolitik richtet. Die Aufklärung, die linke Sprachpolitik dabei einem anbietet, ist nur noch dem Gehalt nach ein Appell an die Einzelnen, sich ja zu engagieren, in dem sie sich dem „irrationalen Primat der Praxis“ [Adorno] beugen. Dies initiiert nichts weiter als eine ambivalente Welt des Selbstbetrugs und der Selbstgerechtigkeit, die sich nur noch durch „Hypostasis am Partikularen“ [Adorno] behauptet.

(sic!)

Vortrag von Jakob Blumtritt: Wie bitte? Essay zu Sprachkritik vs. Sprachpolitik.

Vortrag und Diskussion im Gespräch des Politsalons am 22.2.13 ab 19Uhr im Vetomat. Scharnweberstr. 35, 10247 Berlin – Friedrichshain.