Monthly Archives: October 2016

Vorfreude ist die schönste Freude

Vorfreude auf die neue Schmökerstube

Der PolitSalon – PS – im neuen Vet(w)omat freut sich schon auf die Neueröffnung am neuen Ort.
Dort richten wir eine Bücherecke mit einem kleinen Bücherregal, im Nichtrauchbereich, ein. Zum einen als politische Literatur, zur Ansicht, als Leseexemplare und andererseits als ständige Büchertauschbörse oder auch einfach nur zum Verschenken und Mitnehmen. (Hinweis: Schund wird konsequent aussortiert und wandert straight ins Altpapier. Also bringt sowas besser gleich zur Sammelstelle gegen Bares, da habt ihr mehr von.)
Zum anderen werden wir eine Zeitungsecke, im Rauchbereich einrichten, das Papier ist kurzlebiger und kann ruhig auch mal etwas Nikotin abbekommen. Es wird zwei Bereiche geben? Ja, richtig gelesen. Vorne, im neuen Vetomat wird der große Salon, Veranstaltungsraum mit Stage und Bar, als Nichtrauchbereich sein und hinten wird es einen kleinen Rauchraum (Rauchsalon) geben. Die Bücher sind nur für vorne bestimmt. Vorraussichtlich wird es zunächst eine Reclam/Suhrkamp Reihe sein und dann später vielleicht noch mehr, je nachdem wie das offene Angebot angenommen und genutzt wird. Hinten wird es wahrscheinlich erstmal die Jungle World (politische Wochenzeitung) sein, die es da zu lesen gibt. Daneben werden wir weiterhin gelesene Periodika, wie Zeitschriften-Exemplare, z.B. der: Konkret, Phase Zwei, SaZ, AIB, Monitor, ZAG, an.schläge, RHZ, Arranca, Wildcat, Kosmoprolet et. al., je nach Vorhandensein und vielleicht auch noch ein paar kleinere (anarcha) DIY-Zines o.ä., zur Verfügung stellen.

Wir freuen uns auch immer über Sach-Spenden, dieser Richtung, Geschenke, Förderabos von Euch und z.B. selbstgedruckte Sachen von Euch! Wenn Ihr z.B. eine linke Tageszeitung o.ä. lest, dann laßt sie für die Nächsten liegen.

Solange bis das neue Vetomat eingerichtet ist und sowieso stetig empfehlen wir den netten politischen Buchladen und das Antiquariat, am Ostkreuz, um die Ecke: Praxis Books & Records, Lenbachstraße 9, 10245 Berlin. Sowie den: Infoladen Daneben, Liebigstraße 34, 10247 Berlin.

Ab 2017 wird der PS dann auch wieder selbst gelegentliche Veranstaltungen, wie Lesungen und Filmabende, mit anschließender Diskussion / Besprechung / Gespräch, Soli-Weinabende und eine Soli-Schnapsbar (SchnappEs) im neuen Vetomat organisieren. Politische Gruppen und Einzelpersonen sind aufgerufen und eingeladen sich daran zu beteiligen. Z.B.: Wer möchte ein neues Thesenpapier diskutieren, einen Aufruf oder eine Kampagne vorstellen o.ä. … ? .

Verstärkung in unserer fiesen diskursextremistischen PolitCrew ist uns ebenso immer willkommen.

Bis dann!

MsG PS

Erklärung – zur Verdrängung freier, alternativer, linker, Kunst und Kultur – zum Auszug/Umzug/Rausschmiss/Abschied des alten Vetomaten

12.10.2016

Nun ist es soweit. Das alte Vetomat geht, ein neues Vetwowmat entsteht.
Die neue Adresse wird das Kollektiv in Kürze (vorr. näxte Woche) bekanntgeben.
Soviel wird schonmal verraten: Es geht in die Wühlischstraße, Ecke Modersohnstraße, hintern Boxi also vom alten Veto aus gesehen.
Zur Neu-Eröffnung sind alle solidarischen Menschen herzlich eingeladen.

Über alle Neuigkeiten wird euch das Kollektiv unter: www.vetomat.net -> http://cms.vetomat.net/index.php/posts/ informieren.
Die alte Website wird erstmal bestehen bleiben, bis der neue Name des neuen Projektes veröffentlicht wird.

Über die eigene Theatermaske mit dem weinenden und dem lachenden Gesicht zugleich

Das Kollektiv hat damit das Ziel erreicht neue, bessere, Räume in einer angenehmeren Atmopshäre (/Umgebung) zu bekommen. Wir sind Mitglied in einer netten Genossenschaft geworden und müssen so die Miete nicht mehr an schmierige Aasgeier zahlen, was wir jetzt wesentlich lieber tun. Ein paar Tränen werden dem alten Ort dennoch nachgeweint. War die Nachbar_innenschaft, zu den Nachbar_innen nebenan, der Scharni29 und S38, nebst ZGK, doch zu einer schönen Sache, im Lauf der Jahre, geworden. Auch fühlten sich Manche stets zu den alten Geschichten der Mainzer und vielen Personen aus dem Kiez sehr verbunden. Über die Frankfurter, zur Silvio-Meier-Straße, war es auch nicht weit in den Nordkiez, zur Rigaer. Zur Kinzig und zur Kreutziga war es ebenso nicht weit.
Viel weiter weg fühlt sich das Kollektiv, trotz des Umzugs aber trotzdem nicht. Die räumliche Entfernung wird ein wenig zunehmen, die persönliche Distanz aber nicht. ;) Und die Politische noch weniger. Die Aufbruchstimmung hat viele alte Bekannte und neue Leute (wieder) zusammengebracht. Es sind sehr viele gute zwischenmenschliche Gespräche geführt worden und werden auch noch weiter fortgesetzt. Es ist nie zuende!
Mit den neuen Räumen besteht also jetzt die Möglichkeit und ergreifen wir die Chance sich selbst neu zu formieren, neu zu gestalten, neuen Überlegungen und Perspektiven Raum zu geben, die eigenen verkrusteten Strukturen zu hinterfragen und in neues, hoffentlich günstigeres Fahrwasser, unter allen zu berücksichtigen Umständen, aufzubrechen. Packen wir es an. Wir machen zusammen mehr draus.

Also: Das ist noch lange nicht das Ende aller Tage – wir kommen wieder – keine Frage. Auf ein Neues!

Wie ist es dazu gekommen?
Die Geschichte ist lang und geht mit der Gentrifizierung in Berlin Friedrichshain einher, die nicht nur Wohnraum erfasst, sondern ganz besonders auch die sog. “Erdgeschoßnutzung” und allem voran mit der Veränderung der sog. “Gewerbestruktur” und “Raum(aus)nutzung” (statt Umnutzung z.B.) einhergeht.

Das Vetomat fing als unabhängiger Vereinsraum, Siebdruckcafe und Veranstaltungsraum vor 10 Jahren an zu existieren. Es herrschte, wie heute, akuter Mangel und Bedarf an selbst-/bestimmten/verwalteten/organisierten (Frei)Räumen. Damals taten sich also darum Menschen aus der freien (Kunst)Szene, Künstler_innen, Siebdrucker_innen, Leute, aus der alternativen und linken Szene, mit anderen, Freund_innen zusammen und gründeten einen Verein. Sie begründeten damit das Vetomat (I). Fortan fanden vielseitige Veranstaltungen statt und bereicherten die geneigte Öffentlichkeit, ohne je einen Cent von der (öffentlichen) Kulturförderung der Stadt, des Bezirkes/Landes/Staates, zu fordern (was nach wie vor diskutabel ist, Stichwort: Sich zurückholen was uns sowieso allen gehört und wofür u.a. über Steuern/Abgaben/Gebühren usw. ohnehin immer draufgezahlt wird, Selbstausbeutng und Mehrarbeit also …). Inhalte waren stets im weitesten Sinne „unkommerziell“, (links)offen und niedrigschwellig sowie auch politisch (mal mehr mal weniger, einigermaßen anspruchsvoll oder auch (selbst)ironisch) und stets kritisch, zu sein und (reflektiert) zu bleiben. Die Abende wurden und werden im Kollektiv von verschiedenen Gruppen, Zusammenhängen, losen Zusammenschlüssen, also sprich kurz “Crews” genannt bespielt, gestaltet, selbstorganisiert(!).
Einiges dazu könnt Ihr auf den Webseiten des Vetomat noch nachlesen. Unter “News” (http://cms.vetomat.net/index.php/posts/) sind dort noch Infos von vielen Veranstaltungen zu finden (http://cms.vetomat.net/). Die Veranstaltungen und Veröffentlichungen des Politsalons sind natürlich hier im Weblog zu finden. Siehe monatliche-jährliche “Archives” (https://ps.vetomat.net/).

A story to tell?
Am Anfang waren die Räume eine Bruchbude (Stichwort Instandsetzung, Renovieren statt Sanieren) und es gab dazu ein zähes Ringen mit der ersten Hausverwaltung. Mietfreiheit für ein paar Monate musste ausgehandelt werden und die eigene Gestaltung und Einrichtung der Räume organisiert werden.
Dann wechselte schon nach ein paar Jahren die erste Hausverwaltung (HV). Das Haus wurde verkauft? Wir wissen es nicht so genau. Denn mit den Mieter_innen hat ja keine_r von den HVen je wirklich mal richtig, anständig, ein vernünftiges Wort, geredet oder Infos geschickt. Wie das eben (kapitalistisch halt) so üblich ist. Mieterhöhungsforderungen mussten ausgeräumt und stattdessen Verbesserungen der sanitären Infrastruktur erstritten werden. Ständig fielen die Heizkörper aus, die Fenster zum Hof sind nach wie vor immer noch nur einfachverglast usw. usf..
Dann wechselte nach ein paar weiteren Jahren wieder die HV und es kam wieder ein neuer Vertrag bzw. eine Vertragsänderung mit einem neuen Eigentümer ins Haus. Das selbe Spiel wie oben ging wieder von vorne los. Das war übrigens die HV Taekker.
So ging das ein paar Mal. Nun ist es zuletzt die HV Optima (http://www.optima-gmbh.de/) die das Haus verwaltet und ein gewisser Engelmann geworden, dem das Haus gehört. Sie lassen stückweise von der Firma Fischer (http://www.fischer-weggen.de/) sanieren. D.h. nicht das Haus als Ganzes, sondern nur Wohnung für Wohnung, Scheibchenweise, so daß es schwer wäre dagegen vorzugehen. Dementsprechend schwierig gestaltete sich auch der Widerstand der letzten halbwegs politisch (selbst)bewußten Mieter_innen. Dem Vetomat wurde vor drei Jahren gekündigt. Zuerst wurde versucht sofort zu kündigen. Dagegen gingen wir mit dem sog. “Optionsrecht”, daß uns damals noch laut Mietvertrag zustand, vor. Es funktionierte. Wir konnten für drei Jahre verlängern und uns in der Zeit in Ruhe etwas besseres suchen und kleine Protestaktionen machen und im Kiez mitmachen.
Und die Mieter_innen über uns? Der Widerstand zerfiel in seine Bestandteile bevor er hätte richtig beginnen können. Wir haben Empfehlungen gegeben, insbesondere dann wenn wir gefragt wurden (aber es kamen nur sehr Wenige von selbst auf uns zu) und auf die Beratungsangebote der BMGEV (www.bmgev.de) verwiesen (z.B. im Mieter_innenladen in der Kreutzigastraße) sowie dazu geraten sich als Mieter_innengemeinschaft (ala „Hausgemeinschaft“ z.B.) selbst zu organisieren (siehe auch Zeitschrift “MieterEcho“), hatten aber selbst keine Kräfte mehr dafür das aufzubauen oder zu unterstützen. Es gab viel zu viele Baustellen und Verstrickungen an zu vielen anderen Stellen und kaum vernünftige Konzepte bei denen wir ohne Bauschmerzen mitgemacht hätten und so zogen wir uns hier raus. Dafür haben wir (kritisch) solidarisch partiell bis stetig kleinere Soligruppentreffen und die Vernetzungsinitiativen von Suppe & Mucke, MBF, die Kämpfe von Mediaspree Versenken, der Mietenstopp-Friedrichshain Bündnis Kampagne, WBA und der Rigaer sowie das (Nord)Kiezplenum (VV) unterstützt. Z.B. mit kleinem gelegentlichem Support am Rande, via Logistik, Technix, Sound, Küffa, Räumen, o.ä… Das mag für Manche ein trauriges oder kritisch zu sehendes Resümee sein, wir halten es aber aufgrund des Rahmens unserer bescheidenen Möglichkeiten, als kleines räumliches Kollektiv und wegen der neuen besseren Perspektive für die Bessere, auf uns selbst und unsere Kapazitäten achtende Lösung, ohne uns selbst zu verbrennen oder auszubrennen. Den Kapitalismus halten wir nicht bei einer kleinen Verwaltung auf. Alle Tage Sabotage, ja gerne. Die sozialen Kämpfe sind zwar als ein Ganzes zu sehen, aber hier an dieser einen konkreten Stelle war kein Blumenpott mehr damit zu gewinnen. Da gehen wir lieber gleich an die Stellschrauben mit geübter Kritik ran. Die kleinen Details und Anekdoten aus der Vergangenheit erzählen wir dazu gerne beim näxten Kollektivtresen oder so. Fragt uns einfach. Sprecht uns einfach an oder kommt mit eurer Kritik persönlich zu uns. Gerne diskutieren wir das aus oder können voneinander lernen. Danke.

Sehr gerne diskutieren wir sowas, wie alles andere auch auf Veranstaltungen bei uns oder anderswo. Wer etwas neues organisieren möchte, kann damit auch gerne zu uns im neuen Vetwomat kommen. Außerdem könnt Ihr uns auch gerne zu Gesprächen oder Diskussionsrunden einladen. Bis dann!

Wie funktioniert ein/das Vetomat?
Das Vetomat steht symbolisch für einen selbstorganisierten “Freiraum”. Wobei “frei” nicht für die totale Beliebigkeit steht, sondern für eine ständige Aushandlung des Zusammenwirkens von Menschen mit Menschen. Frei im Sinne also der Kategorischen Imperativs. Das Denken und Handeln also so einzurichten, daß es gemeinsam, ohne die Benachteiligung anderer funktionieren kann. Ausgeschlossen sind davon selbstverständlich (Neo)Nazis und anderer rechter Dreck. Raum für Verschwörungsideologien gibt es hier ebensowenig und wenn dann sind wir selbst die größte Verschwörung auf dem ganzen Affenplaneten.

Wie läuft das “Selbstorganisation”?
Es läuft also alles nach dem DIY-Prinzip. Das ist bekanntlich nicht immer leicht, wie alle aus “der Szene” wissen. Organisieren helfen dafür Plenas. Das Plenum ist der Ort auf dem alles ausgesprochen und alle Entscheidungen getroffen und auch gefällt werden müssen. Nur so kann Basisdemkratie gemacht, funktionieren und aufrechterhalten werden. Das Plenum des Vetomat stellt das Kollektiv dar, der Verein fungiert nur abhängig davon und garantiert den Bestand sowie die Formalitäten. D.h. aus dem Plenum bildet und entwickelt sich der Verein (freier Menschen in freien Vereinbarungen), nicht umgekehrt. Verbindlichkeiten spielen dabei allerdings eine große Rolle.

Was bedeutet das „Freiraum“?
Ein (politischer) Freiraum ist keine feste Größe, sondern erstmal ein (links)offener, alternativer und am ehesten „unkommerzieller“ Raum, im Sinne davon, daß nicht gewinnorientiert, nicht nach Profit- und Verwertungslogik gehandelt wird und Ausbeutung soweit wie möglich vermieden wird (sofern das bei der Selbstausbeutung im Kapitalismus überhaupt möglich ist) sowie die Hierarchie/n (Ebenen) möglichst flach (auf Augenhöhe) gehalten werden und direkt von Mensch zu Mensch mit Mensch gesprochen und gehandelt wird. Manche sagen dazu auch „von unten“. Das bedeutet für uns einen gemeinsam/kollektiv nutzbaren Ort zu schaffen und zu halten sowie auszubauen, an dem nach einem (politischen) Mindestkonsens (in unabhängiger/undogmatischer/autonomer Art, der Richtung der Politik der ersten Person) verfahren wird. Alle wesentlichen Entscheidungen werden im Plenum getroffen (vgl. s.o.). Für negative Ismen, wie Antisemitismus, Rassismus, Sexismus, Antifeminismus, Homo-, Bi-, Trans-, Inter-Feindlichkeit, Xenophobie, Menschenverachtung, Diskriminierung, Menschenfeindlichkeit und (religiöses wie politisches) Sektierertum ist hier kein Platz. Das schließt sich alles, (leider nicht immer so ganz) von selbst, aus und muß ständig weiter ausdiskutiert, miteinander verhandelt, in Konflikten aktiv, direkt und offen, geklärt und gelöst werden.

Wir freuen uns sehr auf die neuen Räume und eine gute Zusammenarbeit sowie das Zusammenwirken mit der Hausgemeinschaft am neuen Ort. Wir sind unterwegs.

Ni Adieu – ni Maitre!

Berlin Friedrichshain, 12.10.2016

PolitSalon
im ehem. Vetomat
Scharnweberstr. 35
10247 Berlin